Werbung und ich – eine Hassliebe

Technik, die begeistert: Immer neue Möglichkeiten, uns User zu erreichen, immer mehr Informationen, die auf uns einprasseln. Online-Werbung boomt und wir werden zugespamt.

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Verlinkt und Zugespamt

Unternehmen reißen sich um die besten Werbeplätze, nutzen Social Media, SuchmaschinenInstagram, Youtube, Spotify & Co. , um uns zu locken, zu verführen, zum Kauf zu bewegen und ihr Image zu fördern.

Man folgt uns auf Schritt und Tritt, beobachtet uns und nutzt unsere Daten, um uns das vermeintlich perfekte Angebot für unsere Bedürfnisse auf dem silbernen Tablett zu präsentieren – ohne, dass wir überhaupt erst danach fragen müssen.

We love to entertain you

Von postfachüberschwemmenden Newslettern bis hin zu Pop-Ups, die ich erst schließen und Werbevideos, die ich erst schauen muss, Affiliate Links in Instagram-Texten, gefakte Testberichte,  Gutscheincodes und blinkende Displaywerbung. Nicht zu vergessen die eine Million großzügig gesponserten  Beiträge auf Facebook, durch die ich mich scrollen muss, um das zu sehen, was mich interessiert. Welcome to the internet, people!

Klingt wie der Anfang einer ellenlangen Hasspredigt auf die böse Werbebranche,  die noch schlimmere Konsumgesellschaft und den Kampf um den Schutz persönlicher Daten.  

Ist es nicht.

Klar, auch mich nervt Werbung oft ungemein. Aber nicht nur online, sondern auch im Fernsehen oder im Radio und das auch nicht erst seit gestern. Mit der wachsenden Anzahl von Werbemöglichkeiten und deren Nutzung sinkt selbstverständlich die allgemeine Akzeptanz – logisch.

Da werden Sie geholfen!

Aber habt ihr euch schon mal gefragt, wie oft Werbung für euch echt hilfreich war? Ihr ein Produkt entdeckt oder eine Empfehlung bekommen habt, für die ihr wirklich dankbar wart? Mir persönlich ist das schon oft passiert.

Ich lese zum Beispiel sehr viele Blogs. Da begegne ich natürlich einer Masse von Artikeln, die „in freundlicher Zusammenarbeit“ entstanden sind oder Affiliate Links enthalten. Stört mich das? Nein – denn diese Blogs bzw. die Persönlichkeiten dahinter lese ich, weil ich persönlich sie glaubhaft und authentisch finde und mich mit ihnen identifizieren kann. Die Angebote passen meistens dementsprechend sehr gut zu mir und meinen Bedürfnissen. Ob ich sie dann kaufe, steht auf einem anderen Blatt und bleibt mir selbst überlassen.

Du willst es – du kriegst es

Ob Kleidung, Kosmetik, Buch- oder Filmtipp – nehm‘ ich alles. Eigentlich ist das doch total positiv, da kann ich mich innerhalb eines Mediums bei Leuten, die gleiche Interessen teilen, informieren und an Erfahrungen bedienen – kostenlos!

Genau wie die Inhalte drum herum. Und genau da ist der Punkt. Wir beschweren uns über die zunehmende Anzahl von Paywalls und kostenpflichtigen Online-Inhalten und meckern gleichzeitig über die Werbung, von denen die Betreiber der kostenfreien Seiten leben.

Think different!

Gleichzeitig abonnieren wir fleißig Newsletter, um Rabatte und Gutscheincodes für Bestellungen zu erhalten, lachen über kreative Social-Media-Postings oder Videos von Unternehmen und nehmen herzlich gern an Gewinnspielen teil.  Nicht zu vergessen die Proben, die wir gierig aus den Zeitschriftenseiten reißen,  Postkarten, die wir aus den Aufstellern in Bars klauen und anschließend an die Last-Minute-Weinfalsche zum Geburtstag hängen. Plakatwände sind für uns im Stau auf der Autobahn eine nette Abwechslung und machen „Ich sehe was, was du nicht siehst“ richtig spannend.

Gut, die letzten beiden Beispiele sind keine Online-Werbung, aber es geht mir hier ein bisschen um’s Prinzip.

„Die arbeitet ja auch in der Werbebranche, die muss das sagen“, könnt ihr jetzt denken.

Ich sehe, was ich will

Muss ich nicht. Wie gesagt, auch mir gefällt nicht alles. Schleichwerbung bzw. Product-Placement finde ich dumm. Displaywerbung fällt mir oft nicht auf, die ersten zwei Google-Einträge überspringe ich gekonnt und auch ich besitze privat einen Ad-Blocker, den ich aber auf besagten Blogs z.B. ausschalte.  Mein Spamfilter und ich sind ebenfalls ziemlich dicke. 

Aber ich habe eben auch schon echt gute Deals aufgrund eines Newsletters oder einer Empfehlung gemacht und liebe kreative Postings von Unternehmen in sozialen Netzwerken.

Werbung: Wissen, was gut ist

Blogger, Journalisten, Influencer – ob sie einem immer gefallen oder nicht, sie alle stecken oft viel Arbeit in das, was sie produzieren und was wir konsumieren. Das verstehe und akzeptiere ich, wenn ich diese Inhalte kostenlos nutzen möchte.

Wenn ihr also das nächste Mal das Gefühl habt, zugespamt zu werden, fragt euch, ob ihr lieber für den Inhalt zahlen möchtet und erinnert euch an den Super-Kombi-Deal, der euch im Onlinehandel automatisch vorgeschlagen wurde. Oder benutzt ´nen Filter – so, wie ihr 1998 auch einfach umgeschaltet habt.

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Titelbild: © pexels.com
 Kategorien: Werbung