„Ja, ähhhm, nicht wahr?“ So geht’s: Small Talk im Job

Small Talk im Job

Es ist nicht einfach: Da trifft man sich auf dem Büroflur, vor dem Drucker oder in der Teeküche und der Anstand gebietet es einfach, ein paar Worte zu wechseln statt nur auf die eigenen Schuhe oder ins Leere zu starren.

Aber wie beginnt man Small Talk und wie hält man ihn am Laufen? Gar nicht so einfach – vor allem als Chef.

„Small Talk“, also nur ein kleines Gespräch ohne Tiefgang und viel Bedeutung: Man könnte denken, es wäre leicht, eine solche Konversation zu betreiben.

Schließlich geht es, das ist die wichtigste Regel, beim Small Talk weder um Politik noch um Religion, Krankheiten oder persönlich Negatives. Außerdem: Keine Gerüchte, kein Schlechtreden einer Person.

Aber gerade das „Dahinplätschern“ eines Gesprächs aufrechtzuhalten und es dennoch interessant zu halten, ist gar nicht so einfach. Und verschärft wird das Ganze noch, wenn man es als Vorgesetzter mit Mitarbeitern zu tun hat.

Hier ein paar Tipps, wie man Small Talk davor bewahrt, zu belanglos zu werden und ihn sogar zur Mitarbeitermotivation nutzen kann.

„Darüber wollte ich schon lange mit Ihnen reden!“

Vorweg: Arbeitsthemen sind tabu – selbst, wenn das Einzige, das Sie über Ihr Gegenüber wissen, dessen Zahlen vom letzten Quartal sind. Für Fach- oder gar Personalgespräche gibt es Mitarbeitergespräche, Meetings oder den Business Lunch.

Der richtige Einstieg sowie das gelungene Fortsetzen des Gesprächs setzen eigentlich nur zwei Fähigkeiten voraus: Aufmerksamkeit und Interesse.

Nehmen wir einmal ein Treffen in der Teeküche an und beginnen wir mit der Aufmerksamkeit: Wo befindet man sich überhaupt? Kämpft das Gegenüber mit der Kaffeemaschine? Hat er oder sie bereits für den Feierabend die Sporttasche umhängen? Oder hat ein Tablet unterm Arm, um sich gemütlich zum Lesen hinzusetzen?

Schon daraus ergeben sich ein paar Gesprächseinstiege, die allesamt besser sind als die berühmte Bemerkung über das Wetter. Z.B.:

  • „Oh Mann, unsere alte Teeküche. Schon als ich hier als Jungspund einstieg, gab’s vor der Kaffeemaschine die besten Gespräche. Das kenn ich irgendwie auch von guten Partys, Sie auch?“
  • „Ja, man muss schon wissen, wie man mit der guten alten Maschine umgehen muss. Warten Sie, ich kenn das schon und helfe mal. Wissen Sie noch, als wir hier noch mit der Hand Kaffeepulver aufgebrüht haben?“
  • „Oh, heute ist Sporttag? Respekt! Spielen Sie hobbymäßig oder in einer Liga?“
  • „Oh, Sie haben auch schon das neue Modell? Ich finde diese Tablets auch total hilfreich, aber meines zerkratzt so leicht. Sie haben ja ne Hülle, welche ist das?“

Sie sehen: Jeder dieser Einstiege endet mit einer Frage. Im Gegensatz zu „Schönes Wetter, nicht?“, was man eh nur mit „Ja“ beantworten kann und dann in einer Sackgasse landet, wird das Gegenüber konkret antworten müssen. Und liefert wertvolle Informationen für die zweite wichtige Fähigkeit: Aufrichtiges Interesse.

Hört man genau hin, wird man stets Bemerkungen herausfiltern können, auf die man eingeht und interessiert (aber nicht neugierig!) nachhakt:
Die Erlebnisse in einer Kochrunde, das Faible für Espressomaschinen und Italienurlaube, die kleine Sportverletzung oder der Pokalgewinn, das Interesse an Gadgets … Und schon läuft ein gutes Gespräch!

„Oh, hallo, Chef, ich wollte gerade wieder an die Arbeit gehen …“

Vielen Angestellten ist es peinlich, von Vorgesetzten abseits des Arbeitsplatzes „erwischt“ zu werden. Da braucht es etwas Fingerspitzengefühl:

Zunächst sollte man darauf hinweisen, dass man auch auf lockere Gespräche mit den Angestellten Wert legt und Small Talk nicht als vertane Zeit sieht.

Es kann aber auch sein, dass der Mitarbeiter jetzt gerade tatsächlich flüchten will, weil er nicht auf das Gespräch vorbereitet ist und/oder einfach zu den Introvertierten im Unternehmen gehört. In dem Fall kann man ihm eine Situation schaffen, auf die er sich einstellen kann: „Ich seh schon, Sie sind in Eile. Erledigen Sie, was zu tun ist, ich komme in einer Viertelstunde auf einen Plausch in Ihr Büro.“

Es ist wichtig, dass es tatsächlich zum Small Talk kommt, und zwar schnell. Ansonsten fürchtet sich, je nach Angestelltentypus, der Mitarbeiter tagelang vor einer Begegnung, weil er ein unangenehmes Gespräch annimmt.

„...?!?“

Manchmal kommt ein Small Talk unabwendbar ins Stocken. Es gibt unter anderem diese zwei Wege, unangenehmes Schweigen zu beenden – einmal sachlich, einmal humorvoll.

Sachlich lässt sich nach einer Zwangspause wie folgt wieder einsteigen: „Hm, darüber musste ich jetzt einen Moment nachdenken. Aber jetzt sehe ich das auch so.“

Humorvoller ist zum Beispiel: „Oje, diese Gesprächspause erinnert mich an meine Schulzeit, als ich mal in Rechnungswesen völlig blank war. Damals nahm ich mir vor, immer in einer solchen peinlichen Situation nach 15 Sekunden einfach drauflos zu plappern. Hab’ ich immer gemacht, mach ich jetzt auch!"

„Wir sehen uns!“

Auch, wenn’s gut läuft: Es liegt in der Natur der Sache, dass Small Talk nur ein paar Minuten dauert.

Sinnvoll ist es, wenn der Ranghöhere das Gespräch beendet. Man sollte mit dem Schluss auch nicht warten, bis das Gespräch ohnehin stockend versiegt.

Besser: In einer anregenden oder humorigen Phase des Small Talks den Gesprächspartner ausreden lassen und dann so enden, dass vom Gespräch ein positiver Eindruck überbleibt. Zum Beispiel:

  • „Das mit dem Tennis zum Ausgleich ist eine gute Idee. Ich erzähl Ihnen das nächste Mal, ob’s mir gefallen hat.“ 
  • „Schaffen Sie es, mir bis in drei Tagen das Kuchenrezept zu bringen? Dann treffen wir uns am Freitag hier.“
  • „Gut, ich lasse die andere Bohnensorte bestellen. Nächste Woche Verkostung, gleiche Zeit?“
  • „Was für eine tolle Geschichte. Haben Sie immer so etwas auf Lager, wenn wir uns zufällig in der Teeküche treffen?“

Zum Thema „Regeln für den Small Talk“, vor allem wenn es dabei über Hierarchie-Ebenen hinweggeht, gibt es natürlich viele weitere Tipps im Netz. Damit man nicht mehr über’s Wetter zu reden braucht.

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 Kategorien: Best Practice