Musik für Videos – bitte legal!

Alleine auf YouTube surfen mehr als 1 Milliarde Nutzer täglich und konsumieren dabei mehrere hundert Millionen Stunden Videomaterial. Was wären Videos eigentlich ohne Musik?  Nichts, denn ohne Ton verlieren fast alle Videos Ihren Reiz!  Wir geben einen Überblick zum Thema Musikrechte in Videos.

Musikrechte in Videos | Marketing im Norden

Wer prüft eigentlich Videoinhalte auf Rechtsverletzungen bzw. wer kümmert sich um den Schutz am geistigen Eigentum von Musikern?

In erster Instanz natürlich die Urheber selbst. Da eine komplette Prüfung für die Urheber aber oft nicht zu realisieren ist, kümmert sich häufig eine Gesellschaft um die Interessen der Urheber. In diesem Fall z.B. die der Musiker, Songwriter und Komponisten. Und das nicht nur auf Portalen wie YouTube, sondern ganzheitlich.

Zu unterscheiden sind hier vor allem die GEMA, die VG Wort und die GVL. Wir erklären kurz, wofür die einzelnen Einrichtungen zuständig sind:

  • GEMA (Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte)
    Jede komponierte Musik ist vom Prinzip her geschütztes geistiges Eigentum, für dessen Nutzung Geld vom Eigentümer verlangt werden kann. Die GEMA kümmert sich darum, dies zu koordinieren. Sie sammelt die  Nutzungsgebühren von z.B. Fernseh- und Radiosendern, Konzertveranstaltern, Discotheken, Gaststätten oder Bekleidungsgeschäften. Hierfür muss der/die KomponistIn allerdings auch GEMA-Mitglied sein. Legitimiert ist dies durch das Verwertungsgesellschaftengesetz.

  • VG Wort (Verwertungsgesellschaft Wort)
    Die VG Wort schüttet regelmäßig Tantiemen an Urheber aus. Zu diesen zählen insbesondere Autoren von schriftstellerischen und wissenschaftlichen Werken, Autoren von Drehbüchern für TV- und Hörspielproduktionen sowie Theateraufführungen, Journalisten und Übersetzer. Die Einnahmen kommen aus einer Nutzungsabgabe für die Vervielfältigung der Werke der o.g. Urheber.

  • GVL (Gesellschaft zur Verwertung von Leistungsschutzrechten)
    Die GVL kümmert sich um die Rechte der ausübenden Künstler und Tonträgerhersteller und übernimmt die Zweitauswertung. Sie ist also zuständig für alle Musiker, Sänger, Tänzer und Schauspieler. Die GVL nimmt das so genannte „Leistungsschutzrecht“ wahr, das ähnlich ausgestaltet ist wie das Urheberrecht und auch im Urheberrechtsgesetz geregelt wird. Wenn ein Musiktitel eines bereits erschienenen Tonträgers gesendet wird, dann muss der Sender aufgrund des Leistungsschutzrechtes eine so genannte „angemessene Vergütung“ an die Künstler zahlen. Weiterhin zahlen alle Einrichtungen, die Musik öffentlich ausspielen, ebenfalls einen Teil an die GVL. Die GEMA hat hier lediglich das Inkassomandat.

Verschiedene Nutzungsrechte im Überblick

Dabei unterscheiden die genannten Gesellschaften vor allem drei Kriterien: Alle Rechte vorbehalten, einige Rechte vorbehalten und gemeinfreie Werke.

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  • Alle Rechte vorbehalten
    Jedes komponierte Musikstück hat von Beginn an erstmal eine komplette Rechtevorbehaltung. Will also eine Person, die nicht der Urheber ist, den Song verwenden, so braucht er eine Genehmigung des Urhebers.
    Anders verhält es sich mit Aufnahmen, diese gelten nicht als eigene Werteschaffung, können aber mit einem Leistungsschutzrecht versehen werden. Daher sollte auch hier grundsätzlich eine genaue Prüfung vorgenommen werden.

  • Einige Rechte vorbehalten
    Der Urheber kann seine Werke aber auch für gewisse Zwecke frei zugänglich machen. Hierfür wurde der CC-Standard geschaffen. Mithilfe dieser Kürzel und Grafiken kann angezeigt werden, was mit dem Werk gemacht werden kann. Mehr dazu finden Sie in der Grafik zu Creative-Commons-Lizenzen.

  • Gemeinfreie Werke
    Ein gemeinfreies Werk kann jeder in vollem Umfang verwenden. Diesen Status erreichen Werke 70 Jahre nach dem Tod Ihres Urhebers. Allerdings kann es sein, dass nochmal ein Rechteschutz auf Werke der Plattenverleger existiert. Dieser Schutz endet 70 Jahre nach der Veröffentlichung.

    Sofort frei nutzbar ist Musik mit der CC-Lizenz CC-Zero. Diese gilt als Erlaubnis des Urhebers zur freien Nutzung. In diesem Zusammenhang ist aber auch erwähnenswert, dass lizenzfrei nicht immer mit kostenlos gleichzusetzen ist! Lizenzfrei bedeutet lediglich, dass das Werk auf allen Medien und auf jede Weise benutzt werden kann. Kostenlos ist es dadurch aber in den meisten Fällen nicht.

Abkürzungen Copyright | Marketing im Norden

Hier eine kleine Übersicht von Anbietern frei nutzbarer Musik:

Da die Angebote teilweise sehr unterschiedlich sind, ob vom Genre oder der Lizenzfreiheit, sollten Sie immer selbst prüfen, welches Angebot sich für Ihre Zwecke am besten eignet.

Urheberrechtsverletzungen auf YouTube: Mögliche Folgen

YouTube hat bereits vor einigen Jahren die so genannte Content ID eingerichtet. Diese gibt den hochgeladenen Inhalten eine eigene Kennung, welche in einer Datenbank gespeichert wird. Mithilfe dieser ID überwachen YouTube und die Urheber/Rechteinhaber, ob Ihr geschützter Inhalt in anderen Videos unerlaubt weiterbenutzt wird. Sollte dies tatsächlich passieren, können folgende Maßnahmen ergriffen werden:

  • Videosperrung: Das Video wird komplett, also weltweit oder nur in einigen Ländern gesperrt und ist nicht mehr zu sehen.
  • Video wird stummgeschaltet: In diesem Fall ist das Video zwar noch zu sehen, allerdings wurde vom Urheber eine Stummschaltung der Tonspur veranlasst.
  • Inhalte werden für bestimmte Plattformen blockiert: Es besteht auch die Möglichkeit, dass der Urheber seine geschützten Inhalte für einzelne Websites, Apps oder andere Geräte sperrt, ohne dabei eine grundsätzliche Sperre auf Youtube einrichten zu lassen.
  • Werbeeinbindung: Der Rechteinhaber erlaubt eine weitere Nutzung seines Contents im Video, verlangt hierfür aber eine Werbeeinbindung in dem Video. Die Gewinne hieraus gehen dann an den Urheber. Dies ist die gängigste Methode.

Jeder dieser Maßnahmen muss der betroffene Channel-Inhaber aber erst einmal zustimmen. Es besteht nämlich auch die Möglichkeit, das entsprechende Stück auszutauschen, zu entfernen oder sich selbst mit dem Urheber abzustimmen und zu einigen.

Verbreitet ist auch die Ansicht, dass ein Spiegeln des Videos, Verändern der Geschwindigkeit oder ein Hinweis auf „keine beabsichtigte Urheberrechtsverletzung“ einen eigenen Rechtsanspruch erzeugen würden. Dem ist nicht so! Auch nach der Änderung handelt es sich weiterhin um eine Urheberrechtsverletzung.

Cover-Versionen auf YouTube

Ebenfalls unerlaubt ist das Einspielen von Cover-Versionen auf YouTube. Hierzu bedarf es theoretisch einer Genehmigung der GEMA. Bei einer „Bearbeitung“ (Remix) der Originalversion, also Abänderung z.B. des Genres, muss hingegen der Komponist und/oder Rechteinhaber kontaktiert werden. Ohne Erlaubnis kann ein Video in beiden Fällen ebenfalls einfach gesperrt werden, auch wenn dies in der Praxis selten vorkommt.

Konzertmitschnitte auf YouTube

Auch die beliebten Konzertmitschnitte, die online hochgeladen werden, sind rechtlich nicht erlaubt, aber in vielen Fällen toleriert. Theoretisch gilt dies sogar für den privaten Zweck, das heißt ein Filmen des Konzerts ist grundsätzlich untersagt.

Vorsicht bei der Einbettung fremder Inhalte

Ein großes Thema ist auch das Einbetten von Inhalten, die im Ursprung ja von jemand anderem sind. Hier bleibt in der Regel nur der Ersteller haftbar, sofern der eingebettete Content frei zugänglich und nicht offensichtlich rechtswidrig ist. Nicht ohne weiteres erlaubt ist jedoch die Einbettung von nicht freiem Content, der z.B. hinter einer Bezahlschranke oder Registrierung steckt. Aufpassen sollten Sie allerdings vielmehr, dass in dem Video keine Persönlichkeitsrechte verletzt werden bzw. eine Person in dem Video in Misskredit gebracht wird. Denn durch die Einbettung kann dies als Zurschaustellung dessen interpretiert werden.

In jedem Fall kann es bei derartigen Urheberrechtsverletzungen zu einer Verwarnung seitens Youtube kommen, aber auch zu einer Deaktivierung von Videos und/oder des kompletten Channels, bis hin zu einer gerichtlichen Einigung/polizeilichen Verfolgung. Letztgenanntes ist derzeit allerdings noch keine sehr gebräuchliche Praxis.

Augen auf beim Thema Musikrechte in Videos

Abschließend ist also festzuhalten, dass Sie fremde Musik aus dem Netz nie einfach so ohne vorherige Prüfung der Lizenz nutzen sollten. Für eine legale Einbindung von Musik, gerade im privaten Bereich, reicht oft schon eine einfache Namensnennung. Näheres finden Sie in vielen Fällen in der CC-Lizenz. Auch bei einer kompletten Rechtevorbehaltung ist eine Nutzung nicht immer ausgeschlossen, fragen Sie doch einfach bei den entsprechenden Urhebern nach und finden auf diesem Weg vielleicht doch noch eine Lösung.

Wir wünschen Ihnen viel Spaß bei Ihrem nächsten Videoprojekt!

Anmerkung: YouTube wurde hier nur beispielhaft genannt, da es das gängigste Videoportal ist. Natürlich gibt es z.B. mit Dailymotion, Vimeo u.a. auch viele alternative Videoplattformen, für die aber Gleiches gilt.

Dieser Beitrag behandelt das Thema „Musikrechte in Videos“ abstrakt und ist nicht als Rechtsberatung zu verstehen.

Ein Artikel von Alexander Tesch

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 Kategorien: Best Practice