Des Bloggers neue Kleider – Das Geschäft mit der Glaubwürdigkeit

Den guten alten Rat der besten Freundin wissen wir doch alle zu schätzen, oder? Doch auch in der bunten Welt der sozialen Medien werden uns an jeder Ecke Tipps und Empfehlungen gegeben. Auch, wenn wir gar nicht unbedingt danach gefragt haben. Aber wie sieht es eigentlich mit der Glaubwürdigkeit all dieser Blogger und Influencer aus? Ist das alles überhaupt noch authentisch? Wann fängt es an zu nerven?

Das Geschäft mit der Glaubwürdigkeit

Der kleine aber feine Unterschied

Was Influencer Marketing überhaupt ist, haben wir Euch ja bereits erklärt. Vorweg: Ich spreche hier nicht über die großen Stars als "Beeinflusser", die für schier utopische Millionengagen freudestrahlend in den neuesten Sportschuhen über den TV-Bildschirm hüpfen. Hier ist klar, dass es sich rein um eine lukrative Einnahmequelle für Hollywood-Prominenz, Popstars und Co. handelt. Nicht mehr und nicht weniger.

Vielmehr geht es hier um die Blogger, die einst klein in den sozialen Netzwerken wie Facebook, Snapchat oder Instagram gestartet sind oder aus einer Leidenschaft heraus einen eigenen Blog ins Leben gerufen haben. Leute wie Du und ich.

Ihr interessanter Content – seien es die sogenannten Food-, Fashion- oder auch Mommy-Blogger – ließ ihre Reichweiten schnell wachsen.

Blogger und Unternehmen – eine Liebesgeschichte

Und so weckten sie auch schnell das Interesse verschiedenster Unternehmen, die sich nach solchen Reichweiten (von zum Teil mehreren Zehn- oder gar Huntertausend Fans/Followern) sprichwörtlich die Finger lecken und sie nur zu gerne für Ihre Marketingzwecke nutzen.

Besonders Instagram hat sich hier zu einer, zum Teil inflationär genutzten, Werbeplattform gemausert – weit über die gängigen Werbeformate des Bildernetzwerkes hinaus.

Eine solche Zusammenarbeit zwischen Blogger und Unternehmen läuft in den meisten Fällen nach Schema F ab: Unternehmen fragt bei Blogger an, Blogger bekommt Paket mit Produkten kostenlos zugeschickt, Produkte werden aufmerksamkeitsstark in Szene gesetzt und in den Himmel gelobt. Blogger freut sich über das Geschenkte, Unternehmen freut sich über kostenlose Werbung bei einer kaufkräftigen Zielgruppe.

Und wenn es gut läuft, springt dabei sogar noch ein "ganz exklusiver Rabattcode" (und damit noch ein zusätzlicher Kaufanreiz) für die Follower heraus.

Die Glaubwürdigkeit geht flöten

Genau an dieser Stelle wird es knifflig: Nach dem jungfräulichen Start von Instagram im Jahr 2010, entwickelten sich die Userzahlen rasant. Mittlerweile verzeichnet die Plattform allein in Deutschland über 9 Millionen Nutzer. Mit dieser gigantischen Auswahl an potentiell interessanten Profilen und Inhalten steigt allerdings auch die Skepsis der "Instagramer". Und das selbst ganz unabhängig von gewerblichen Inhalten.

Ein Beispiel dafür war das Instagramprofil von youdidnoteatthat: Vermeintlich inszenierte Bilder, auf denen zum Teil unglaublich dürre Models, Fashionblogger oder andere Social Media Prominenz demonstrativ Junkfood aller Art in die Kamera halten und mit Hashtags wie #sodelicious oder #favoritefood versehen, wurden öffentlich an den Pranger gestellt. Das haben die doch nie im Leben wirklich gegessen.

Und wenn da schon die Glaubwürdigkeit flöten geht, wie sieht es dann erst mit offensichtlicher Werbung aus?

Schlechte Werbung raubt Sympathie

Und so kommt es beispielsweise, dass gleich mehrere Blogger, denen man bei Instagram folgt, in der selben Woche Pakete von ein und dem selben Modelabel zugeschickt bekommen. Die Inhalte werden selbstverständlich in einem (Dank der neuen Instagram-Stories) Live-"Unpacking" (Blogger-Deutsch für Auspacken) präsentiert. Wenn Zeit und Lust da ist, wird sogar jedes einzelne Teil anprobiert und extra per Spiegel-Selfie angepriesen. Da geht doch jedem Marketingchef das Herz auf.

Klar – wiederholt sich dieses "Oh, guckt mal... Sieht das nicht supersüß aus?"-Geschwafel zum gefühlt hunderdsten Mal, nervt es. Und zwar sehr. Da hilft auch kein Rabattcode und die Sachen können noch so schön und so toll verarbeitet und so bequem sein. Das Unternehmen ist erst einmal unten durch.

Vor allem kann auch die Person hinter dem Account noch so nett und sympathisch sein: Mit übermäßiger Werbung schneidet sie sich ins eigene Bein. Nicht selten wird dies mit dem berühmt berüchtigten Shitstorm bestraft. Und das kann ich irgendwie ganz gut verstehen.

Instagram-Kooperationen sind eine Kunst für sich

Damit sich des Bloggers neue Kleider auch an die Follower verkaufen lassen und weder das Image des Influencers, noch das des Unternehmens in Mitleidenschaft gezogen wird, gilt es eine Faustregel zu beachten: Qualität statt Quantität.

Entgegen des eher negativen Grundtenors, der zumeist bei diesen Sponsorings mitschwebt, gibt es nämlich auch Beispiele für gelungene Werbung dieser Art: Wenn offen über abgelehnte Kooperationsangebote gesprochen und auch mal der Preis für das Präsentierte in Frage gestellt wird oder wenn man Produkte, die man zugeschickt bekommen hat, auch offen und ehrlich einfach mal nicht weiterempfiehlt. Da steckt es auch mal an, wenn sich der Blogger oder die Bloggerin mal für ein Produkt so richtig begeistern kann.

Also bitte, liebe Blogger dieser Welt: So schön es wohl auch sein mag, kostenlos etwas zugeschickt zu bekommen – bitte übertreibt es nicht mit der überschwänglichen Werbung. Das passt zwar irgendwie ganz gut in die Friede-Freude-Eierkuchen-Welt von Instagram und Co., nimmt Euch aber auch die Glaubwürdigkeit und Euren Followern den Spaß an der Sache.

Facebook-Marketing für KMU

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